Mülheimer Kunst kehrt zurück an den Ort ihrer Entstehung

Es ist wie eine Fügung, nach der Mitgliederversammlung des Mülheimer Kunstvereins KKRR in der Ruhrstraße 3 meldete sich der Sohn des Mülheimer Arztes und Kunstsammlers Dr. Herbert Bach. Sein Vater kannte damals den Mülheimer Künstler Helmut Lankhorst. Die Werke aus der Sammlung sind ab sofort im Mülheimer Kunstmuseum MMKM – MUSEUM MODERNE KUNST MÜLHEIM wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Malerisches Mülheim an der Ruhr (E.A. Funke – colorierte Zeichnung – Sammlung MMKM)

Auf der Rückseite des Bilderrahmens einer bemerkenswerten Arbeit von Helmut Lankhorst hatte der Sammler einen Zeitungsartikel von Walter Hurck aufgeklebt, der seinerseits von Helmuth Lankhorst signiert wurde. Walter Hurck vermittelt sehr gut den damaligen Zeitgeist – und gibt die Lebensphilosophie des freien und unabhängigen Künstlers wider – heute gern als „Schöngeist“ tituliert.

Artikel aus Essener Tageblatt vom 20.12.1963 (mit Signatur des Künstlers)
Helmut Lankhorst „Kirmeswagen“, Gouache auf Zeichenkarton ca. 60×45 cm, signiert, datiert 1949

Die Lust am Fabulieren
Helmut Lankhorst (Mülheim) stellt im „Essener Forum“ aus
Auch Ausstellungen müssen sich nach dem Kalender richten.
Es ist klar, dass man im „Essener Forum“ * im „Haus Industrieform“ nach dem wenig befriedigenden Gastspiel der vier Künstler der „Planke“ nun über Weihnachten eine besonders schöne Schau erwartet. Mit den Bildern des Mülheimer Malers Helmut Lankhorst kann sich das „Forum“ sehen lassen. Die Ausstellung ist interessant, anregend und hat ein erfreulich gutes Niveau.


Es sind rund 70 Gemälde und Graphiken, die der in Essen längst nicht mehr unbekannte 54jährige Künstler hier zeigt, zumeist Arbeiten aus den drei letzten Jahren. Lankhorst, vielen noch als realistischer Maler von See- und Hafenmotiven vertraut, auch als Freund skurril-phantastischer und oft humorvoll erfundener Bilder ist auf diesem Weg weiter geschritten: Ins Ungegenständliche hinein.

Das ist mit Konsequenz geschehen: Es bleiben die „Anklänge“ an das Meer, es bleiben die skurril-witzigen Einfälle und Erfindungen.
Es bleiben auch die zumeist amüsanten Bildtitel, die den Besucher ironisch-distanzierend zum Betrachten „einladen“ ohne ihn irgendeine Bedeutung aufzuzwingen.
Überhaupt durchzieht diese Ausstellung ein Hauch von geistiger Freiheit und Gelöstheit, den man heutzutage selten findet. Lankhorst hat ein fast spielerisches Verhältnis zur Kunst. Er schafft mit Freude er ist wirtschaftlich unabhängig es steht nur ein künstlerisches, kein existentielles „Muss“ dahinter.
So findet man bei diesem Künstler eine erstaunliche Lust am Fabulieren. Er ist ebenso sehr Bildner wie Erzähler. Und neben der Erzähl-Freude steht die Lust am Experiment. Die meisten Bilder haben viele Vorstufen hinter sich, sie sind – in tausend Techniken – vielfach übermalt, ältere Arbeiten sind – bei Collagen – in neue Werke hinein verarbeitet worden.
Das alles geschieht ohne falsche Bedeutsamkeit. Und so fehlt auch alle Verkrampftheit. Das Ergebnis sind – neben einer großen Zahl interessanter und immer neu anregender Arbeiten einige erlesen schöne Bilder wie „Zögernder Vorstoß“ – Mondloser Horizont“, „Mantische Landschaft“ oder „Gedrängte Überfahrt.“
Die Ausstellung ist bis zum 11. Januar 1964 zu sehen. Zur Einführung spricht am Sonntag um 11 Uhr Prof. Jörg Lampe.“

Über Helmut Lankhorst

Helmut Lankhorst wurde 1909 geboren und starb 1979. Viele Jahre lebte er nach dem 2. Weltkrieg in Mülheim an der Ruhr und war u.a. Mitbegründer des Ruhrländischen Künstlerbundes und Mitglied des Westdeutschen Künstlerbundes.

Wer ist Besitzer der o.g. weiteren Lankhorst-Werke „Zögernder Vor-
stoß“ – Mondloser Horizont“, „Mantische Landschaft“ oder „Gedrängte Überfahrt“? der möge sich bitte melden bei info@Kunststadt-MH.de oder FON 0208 469495-67.

Logo der Sammlung im MMKM-MUSEUM MODERNE KUNST MÜLHEIM: Klaus Wiesel

Das private Mülheimer Kunstmuseum MMKM in der Ruhrstraße 3 sucht weitere Kunstwerke von Ruhrpreisträgerinnen und Ruhrpreisträgern für die diesbezügliche Spezialsammlung.

Förderung der Kunstakademie Münster mit Mitteln der Stadt Mülheim an der Ruhr

  • 2019/2020: Julian Reiser (Malerei), Kunstakademie Münster
  • 2020/2022: Yoana Tuzharova (Kunst im öffentlichen Raum / Performance), Kunstakademie Münster      
  • 2022/2024: Lara Kaiser (Malerei), Kunstakademie Münster

Veröffentlicht von

artnews

KuMuMü = Kulturmuseum Mülheim GadR = Galerie an der Ruhr ALIV = Alexander Ivo MMKM = Museum Moderne Kunst Mülheim KKRR = Kunstverein und Kunstförderverein Rhein-Ruhr MKB = Mülheimer Künstler*innenbund