TRAUMHAFTE GELEGENHEIT IN MÜLHEIM – HOCHKLASSIGE KUNST AUS NACHLASS ZU ERWERBEN

EIN LEBENSWERK:
MALEREI VON EVA HEMMERLEIN-RICHTER
IN DER RUHR GALLERY MÜLHEIM


Vom 3. bis 10. Juli widmet sich die RUHR GALLERY dem Lebenswerk einer ungewöhnlichen Künstlerin: Die gebürtige Pforzheimerin Eva (auch Eve) Hemmerlein-Richter (1914-2001) war Goldschmiedin und Schmuckdesignerin, zeichnete Dias fürs Kino und brillierte nach dem Krieg als Stoffmalerin im Atelier „Südreklame“. Zu jeder Zeit ihres Lebens gehörte ihr Herz jedoch der Aquarellmalerei.

EINE GUTE GELEGENHEIT ZUM KUNSTKAUF

facebook-Werbung für die Benefiz-Ausstellung in der Kunststadt Mülheim

Erstmals präsentiert Rose Borchert, Tochter der Künstlerin, nun einen Einblick in das rund 1.000 Arbeiten umfassende Gesamtwerk von Eva Hemmerlein-Richter – und in rund 70 Jahre kreatives Schaffen der Künstlerin. Ein Teil des Erlöses der Verkaufsausstellung geht als Spende an das Frauenhaus Mülheim an der Ruhr. Die Tochter der Künstlerin verkauft in eigenem Namen und auf eigene Rechnung aus ihrer privaten Sammlung.

Die Vernissage findet am 2. Juli um 18 Uhr statt; die Familie der Künstlerin ist anwesend. Eintritt und Parken frei.

Rund 100 Arbeiten hat Rose Borchert für die Ausstellung in der Ruhr Gallery zusammengestellt. Farbgewaltige, fließende Werke, die einen intensiven Rückblick auf ein kreatives Leben gewähren, das geprägt war von enormer Offenheit und Begeisterungsfähigkeit – für unterschiedliche Stile ebenso wie für unterschiedliche Themen.

Mal grafisch streng, mal voller Leichtigkeit, mal provokant: Die Arbeiten von Hemmerlein-Richter lassen sich nicht ohne weiteres „auf Linie“ bringen – und wollen es auch gar nicht. Die einstige Schülerin von Bert Joho, Adolf Sautter, Adolf Hildenbrand, Theo Sand, Helmut Meyer-Weingarten und Hildegard Burhenne spielt mit Themen ebenso wie Techniken und lässt in ihre Aquarellarbeiten immer wieder auch Erfahrungen aus ihrem Berufsleben als Schmuckdesignerin und Zeichnerin einfließen.


Vielseitige Künstlerin


In ihren Werken finden sich Anspielungen auf Märchen ebenso wie religiöse Bezüge. Doch auch diese werden weltoffen und frei umgesetzt, denn auf eine bestimmte Weltanschauung oder religiöse Ausrichtung legte sich die Künstlerin im Leben und in ihren Bildern zu keiner Zeit fest. Zugleich sind es darüber hinaus immer wieder Gesichter, der Mensch selbst, den Hemmerlein-Richter ins Zentrum der Betrachtung und ihrer künstlerischen Arbeit rückt. Ein Fokus, der sich auch in ihrem ehrenamtlichen Engagement widerspiegelt: 1980 gründete sie eine kunsttherapeutische Gruppe für psychisch kranke Menschen und begleitete diese gut zwei Jahrzehnte als Leiterin.

Rose Borchert mit einem Selbstbildnis von Eva Hemmerlein-Richter in der RUHR GALLERY MÜLHEIM

Zu Lebzeiten hat Eva Hemmerlein-Richter, die 1981 mit der Goldmedaille des Europäischen Kulturkreises Baden-Baden ausgezeichnet wurde, unter anderem in Karlsruhe, Paris und St. Petersburg ausgestellt. Einzelwerke wurden vom Landesmuseum Karlsruhe angekauft.

In Mülheim an der Ruhr sind ihre Arbeiten erstmals zu sehen; zugleich war die Spannbreite der gezeigten Werke bislang noch nie so umfassend wie in der von Rose Borchert konzipierten Verkaufsausstellung. Dass ein Teil des Erlöses – zehn Prozent von jedem verkauften Gemälde –­ als Spende an das Frauenhaus in Mülheim an der Ruhr gehen soll, ist ihr dabei ein besonderes Anliegen: „Meine Mutter hat sich in ihren Bildern schon früh mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft auseinandergesetzt und hat dieses Thema bis zu ihrem Tod immer wieder aufgegriffen. Dass ihre Werke nun vielleicht dazu beitragen können, Frauen in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen, hätte ihr gefallen und wäre ganz in ihrem Sinne gewesen.“

Christine Lehmann (li.) vor ihrer Kalligraphie und Rose Borchert (re.) mit „PICASSO-Bildnis“ von Eva Hemmerlein-Richter

Hier mit freundlicher Genehmigung der Autorin die Laudatio zur Vernissage
LAUDATIO
Ich freue mich, dass Sie alle Interesse an den Gemälden meiner Mutter haben und möchte Ihnen des Wesen meiner Mutter und ihr Werk näher bringen.
Ich bin Lilie Hemmerlein, das 5. Kind von den 6 Kindern meiner Mutter, 3 Mädchen, 3 Jungs.
Involviert wie ich bin, fällt es mir nicht leicht, einen gewissen Abstand zu wahren, der es ermöglicht von meiner Mutter, der Künstlerin Eva Hemmerlein-Richter zu berichten. Deshalb subjektive Worte und meine persönlich gefärbte Sichtweise auf das Leben und die Gemälde meiner Mutter.
Meine Mutter hat uns liebevoll, autoritär und auch mit körperlichen Strafen „erzogen“. Dass wir bei so einer großen Familie im Haushalt mithelfen mussten, war klar. Meine Mutter hatte eine solche Dominanz/Präsenz, dass sich einige Geschwister heute noch mit Themen aus der Kindheit auseinandersetzen und manche Ereignisse werfen lange Schatten.
Wenn man das Werk meiner Mutter betrachtet, kann man eine grobe Kategorisierung der Gemälde meiner Mutter vornehmen:
Portraits und Stillleben
Ornamente und Schmuckdesign
Themen in Beziehung zum Baha’i-Glauben, was übergeht in den Themenkreis
Krisen, humanitäre Probleme, Umweltzerstörung, Gesellschaftskritik: Kriege, der Gegensatz von arm und reich und das daraus entstehende Elend
und dann Bilder der Inneren Schau/Meditationsbilder
Diese Sujets brachte sie in phantasievoller Weise zu Papier.
Meine Mutter hat eine Vielzahl von Bildern geschaffen, die meist farbenfrohen, ausdrucksstarke Bilder, gefallen mir sehr gut. Als Malstile finden sich Kubismus, Pop-Art, Ornamental, Mystik, Märchenhaft, Japanische Holzschnitt, Art brut und plakative Malerei. Meine Mutter ließ sich vom Zeitgeist und der Avantgarde der Künstler „ihrer Zeit“ inspirieren, blickte nach Frankreich zu den Kubisten, spielte mit verschiedenen Einflüssen ist jedoch psychologisch und ästhetisch immer ihrem eigenen Kompass gefolgt.
Im Laufe meines Lebens war unser Familientisch oft von im Entstehen begriffenen Gemälden belegt. Zu jedem Gemälde gab es eine Geschichte, jedes war eine Darstellung ihrer inneren Wahrnehmung, Ausdruck von Schönheit, einer Phantasie.
Mit ihrer Aufgeschlossenheit Neuem gegenüber, Ihrer geistigen Aufnahmefähigkeit und Flexibilität ließ sie ihren großbürgerlichen Hintergrund weit hinter sich zurück.
Meine Mutter war Künstlerin, ihre Gemälde zu vermarkten war eher nicht ihre Stärke. Trotzdem war es ihr immer ein Anliegen, dass ihre Bilder einer Öffentlichkeit zugänglich sein sollen, dass Gespräche angeregt und ein Meinungsaustausch stattfinden möge. Sie hatte verschiedene Einzelausstellungen in Karlsruhe so z. B. in der Künstlervereinigung GEDOK, dem Theater ‚Die Käuze‘, im Bahá’í-Zentrum, im Bundesverfassungsgericht sowie Gemeinschafts-ausstellungen in Petersburg, Russland und im Salon des Nations in Paris. Einige Gemälde meiner Mutter wurden von Privatpersonen, einige von der Stadt, dem Kulturamt der Stadt Karlsruhe erworben.
Meine Mutter hat – bis auf die Zeiten, in denen wir jung waren und sie sich viel um Haushalt, Geschäft und Kinder kümmerte – immer gemalt. Entsprechend viele Gemälde, über 800, hauptsächlich in Acryl aber auch Kohlezeichnungen oder Aquarellgemälde, hat sie geschaffen.
Ich finde es beachtlich, dass der gestalterische Ausdruck, diese nie versiegende Quelle der Kreativität das Leben meiner Mutter kontinuierlich begleitet hat. Ihrem Lebenslauf nachgezeichnet, dem Erkenntnisgewinn entsprechend, erschuf sie hier Bildwelten, erlebte und ordnete sie innere Wahrnehmungen, erforschte neue Räume. Die Malerei war ihr Ausdrucksmittel und entsprechend sind ihre Gemälde Spiegel ihrer Persönlichkeit. Sie braucht es als Ausdruck ihrer Selbst, als Akt der Verarbeitung und der Selbstreflektion. Ihre Bilder sind auch Formulierungen ihres Wunsches nach Schönheit, Harmonie und Weltfrieden.
Ihre Hinwendung zu Yoga und dem Erschließen der Meditation fand Ausdruck in oft kleinerformatigen Aquarellen, den Meditationsbildern.
Was mir in den Bildern meiner Mutter auffiel ist, dass sie keine Schatten malte. Sie schattierte schon mal, aber im Großen und Ganzen gab es keine Schatten, was auch mit ihrem Wesen zu tun hatte: Meine Mutter war vom Sternzeichen her Zwilling und wer sich mit Astrologie befasst, weiß um die Dualität des Zeichens: den hellen und den dunklen Zwilling – meine Mutter hat bei sich selbst nur den hellen sehen wollen, bei sich selbst im übertragenen Sinne nur schwer Schatten erkennen zu können und dies spiegelte sich in den Bildern wider. Auch wenn sie Themen, in denen sie die Umweltzerstörung aufgriff, wie z.B. ‚Das Band der Autobahn zerfrisst die Landschaft‘, sehen diese Bilder weder monsterhaft bedrohlich, sondern irgendwie wieder harmonisch aus.
Ich begleitete sie an einem Nachmittag in den 80er-Jahren zu der von ihr initiierten Gruppe ‚Malen mit Musik‘, die sie im Treffpunkt für psychisch Kranke ‚Club Pinguin‘ anbot. Nach geraumer Zeit wollte ich mich verabschieden. Lehnte mich zu ihr und wollte ihr dies unauffällig mitteilen, worauf sie mir sagte: Einen kleinen Moment, ich schalte mal mein Hörgerät wieder an. Ich mache das nämlich aus, wenn der eine oder andere so einen Blödsinn redet.
Auch hier ein Ausblenden von dem was nicht passte und gleichzeitig eine Beharrlichkeit weiterzumachen, immerhin hat sie den Workshop 18 Jahre lang geleitet.
Jedoch bat sie mich bei anderer Gelegenheit ihr neuestes Gemälde anzuschauen und ihr meine Meinung dazu zu sagen. Ich sah es – und es gefiel mir nicht. Geschmäcker ändern sich – manche Bilder, zu denen ich damals keinen Zugang fand, sprechen mich heute wegen ihrem guten Ausdruck oder der Farbkomposition an – egal, dieses Bild gefiel mir nicht und ich fragte sie: „Willst Du es wirklich wissen?“ „Ja!“ „Also, es gefällt mir nicht!“ Und sie dann mit Nachdruck und Zorn in der Stimme: „Wenn ich diese Bilder nicht male, kann ich die anderen auch nicht malen!“ Und das fand ich dann wieder sehr weise, dass sie verstanden hatte, dass man den einen Pol nicht unterdrücken kann, ohne dass der andere Pol leidet, das sie in der Kunst die Notwendigkeit des Zulassens auch des Triebhaften oder des Dunklen als Gegenpol des Harmonischen, Vergeistigten annehmen konnte. Das Negative will genauso ausgedrückt werden, wie das Positive – wir übernehmen „nur“ die Verantwortung dafür, wie wir es ausdrücken.
Meine Mutter war vielseitig interessiert, gesellschaftlich sensibel und fand ihren Platz in der Gesellschaft indem sie auf Umwelt- und soziale Themen in ihrem unmittelbaren Umfeld und in der Welt auf Ihre Art reagierte.
Wir lebten Mitte der 50er-Jahre in einer nach dem Krieg schnell erbauten Siedlung des sozialen Wohnungsbaus, in dem kinderreiche Familien wohnten. Schon in unserer Jugend gab es gelegentlich eine von meinen Eltern initiierte ‚Kinderstunde‘ und nachdem mein Vater gestorben war und die meisten von uns Kindern ausgezogen waren, widmete sich meine Mutter verstärkt den Kindern in unserer Siedlung, die von den Eltern zum Spielen auf die Straße geschickt wurden. Mittwochs durften die Kinder zu meiner Mutter kommen, dort wurde gemalt, Hausaufgaben gemacht und sich unterhalten, kleine und große Kümmernisse erzählt. Meine Mutter nannte die Kinder ihre SONNENSTRAHLEN und als ich mit ihr durch‘s Rintheimer Feld lief, riefen die Kinder „Frau Hemmerlein“ und nahmen sie bei der Hand oder lachten sie einfach an. Mutti begrüßte das Kind dann, fragte wie es ihnen gehe, erkundigte sich nach den Eltern oder Geschwistern. Es war ein Phänomen. Als der Raum im Wohnzimmer meiner Mutter nicht mehr ausreichte, besprach sie sich mit dem Pfarrer von St. Martin, einer nahegelegenen Kirche, und konnte die Kinderstunde dann in Räumen der Kirchengemeinde abhalten.
In den 50er-Jahren wurde meine Mutter Mitglied der Baháí-Gemeinde. Dieser Schritt, den Bahai-Glauben anzunehmen, den sie zusammen mit meinem Vater unternahm, beeinflusste ihr ganzes weiteres Leben. Sie war zutiefst von den Zielen des Bahá’í-Glaubens überzeugt, die da sind: Weltfrieden, Einheit der Menschheit, Gleichberechtigung aller Menschen. Diese Ziele strebte sie an und verteidigte sie in Gesprächen und Diskussionen. An diesen Zielen wurde die Welt gemessen.
Als von mir dankbar angenommenes Erbe hiervon haben sich alle ihre Kinder mit Religion und Spiritualität in vertiefter Weise befasst und in ihr Leben integriert.
Meine Mutter entwickelte sich im Lauf der Jahre immer mehr zur Exzentrikerin, die mit 60, 70, 80 Jahren jeden Morgen Yoga machte, in schwarzen Lederhosen und mit Lederhut unterwegs war, ob zum Oberbürgermeister mit einem besonderen Anliegen oder zum 19-Tage-Fest der Bahai-Religion.
Als meine Mutter im Alter von 87 Jahren starb, konnte sie auf ein langes und produktives Leben zurückschauen.
Sie malte bis eine Woche vor ihrem Tod.
Ich freue mich, dass die Ruhrgalerie zusammen mit meiner Schwester Rose die Möglichkeit geschaffen hat, einen konzentrierten Einblick in das Schaffen meiner Mutter der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ich danke dem Künstler, Galeristen und Leiter der Ruhrgalerie Alexander-Ivo-Franz, der sich auf diese spannende Sache eingelassen hat, eine ihm unbekannte Künstlerin vorzustellen. Dies ist eine Ehre und eine Freude für mich und unsere gesamte Familie.
Diese Ausstellung wäre ohne den unermüdlichen Einsatz meiner Schwester Rose, die sich in liebevoller Weise um alles kümmerte von der Bildauswahl und -hängung, Blumenschmuck, Getränke – einfach alles. Vielen Dank, Rose!
An dieser Stelle geht mein Dank auch an Frau Tanja Weimer, Journalistin Zeche Zollverein, Schacht 11, die die Pressemitteilung verfasste sowie besonderer Dank an den Künstler und Grafikdesigner Klaus Wiesel, der Layout der Flyer und Banner gestaltete und sein unterstützender Einsatz weit über den üblichen Rahmen hinaus.
Und großes Dankeschön auch an Isi vom Caterer Isi Baba, etlichen auch vom Ringlok-Schuppen bekannt, zu dessen kulinarischen Genüssen wir nach den Genüssen fürs Auge einladen. Und Danke auch an alle weiteren Helfer, die zum Gelingen der Ausstellung beitrugen.
Danke Minh für dein feines Klavierspiel!
Und jetzt lade ich Sie alle herzlich ein, mit uns eine Entdeckungsreise durch die gemalte Erlebniswelt von Eva Hemmerlein-Richter zu machen!
Danke!

alexander

Galerieleitung GadR = Galerie an der Ruhr

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