Überparteiliche Zusammenarbeit in Mülheim Heinrich Thöne prägte Mülheim über zwei Jahrzehnte – ein Vorbild für politische Kontinuität und überparteiliche Zusammenarbeit.

Heinrich Thöne (1890-1971) nach einem Portrait von Arthur Kaufmann aus dem Jahr 1958 | Foto: Mülheimer Kunstverein KKRR / Sammlung Becker
Heinrich Thöne (1890-1971) nach einem Portrait von Arthur Kaufmann aus dem Jahr 1958Foto: Mülheimer Kunstverein KKRR / Sammlung Beckerhochgeladen von Alexander Ivo Franz

Heinrich Thöne prägte Mülheim über zwei Jahrzehnte – ein Vorbild für politische Kontinuität und überparteiliche Zusammenarbeit.

Ein Bürgermeister für den Wiederaufbau: Heinrich Thöne und seine Ära

Als Heinrich Thöne am 18. November 1948 zum Oberbürgermeister von Mülheim an der Ruhr gewählt wurde, begann eine außergewöhnliche Phase politischer Stabilität und kommunaler Aufbauarbeit. Fünf Legislaturperioden lang – bis 1969 – leitete er die Geschicke der Stadt, länger als jeder andere Oberbürgermeister vor oder nach ihm.

Diese Kontinuität war kein Zufall, sondern Ausdruck eines tiefen Vertrauens, das Thöne über Parteigrenzen hinweg genoss. Bereits bei seiner Wahl stimmten 36 von 37 Stadtverordneten für ihn – ein Zeichen seltener Einmütigkeit. Auch sein Vorgänger Wilhelm Diederichs (CDU) würdigte ihn mit bewegenden Worten und versprach, ihn als Stadtverordneter weiterhin zu unterstützen – ein bemerkenswertes Beispiel für politische Kultur im Nachkriegsdeutschland.

Vom Gewerkschafter zum Stadtoberhaupt

Thöne war kein Berufspolitiker im klassischen Sinne. Geboren 1890 in Bocholt, kam er 1913 als gelernter Former nach Mülheim und engagierte sich früh in der Metallarbeitergewerkschaft und der SPD. Sein Weg führte ihn vom Betriebsrat über die Kommunalpolitik bis an die Spitze der Stadtverwaltung. Schon 1933 hatte er im Stadtrat Rückgrat bewiesen, als er sich gegen die Ehrenbürgerschaft für Adolf Hitler aussprach.

Aufbauarbeit in Trümmern

Als Thöne sein Amt antrat, war Mülheim gezeichnet vom Krieg. Viele öffentliche Gebäude, darunter das Rathaus, waren zerstört. Die konstituierende Ratssitzung musste im Altenhof stattfinden, da die eigentlichen Sitzungssäle erst 1956 wieder nutzbar waren. In dieser schwierigen Zeit war Thöne nicht nur ein Verwalter, sondern ein Gestalter: Er trieb den Wiederaufbau voran, förderte sozialen Wohnungsbau, Bildungseinrichtungen und die wirtschaftliche Erholung der Stadt.

Ein Stil der Zusammenarbeit

Was Thöne besonders auszeichnete, war sein kooperativer Führungsstil. Er verstand es, Verwaltung und Politik zusammenzubringen, Konflikte zu moderieren und langfristige Ziele zu verfolgen. Seine Amtsführung war geprägt von Sachlichkeit, Integrität und einem tiefen Verantwortungsgefühl gegenüber der Bürgerschaft.

Ein Vermächtnis für die Ruhrtalstadt Mülheim

Als Heinrich Thöne 1969 aus dem Amt schied, hinterließ er eine Stadt im Aufbruch – mit gefestigten demokratischen Strukturen, wachsender Wirtschaftskraft und einem gestärkten Gemeinwesen. Sein Wirken bleibt ein Beispiel dafür, wie politische Kontinuität, persönliche Glaubwürdigkeit und überparteiliche Zusammenarbeit eine Stadt nachhaltig prägen können.

Über den Künstler Arthur Kaufmann

Arthur Kaufmann (1888–1971), geboren in Mülheim an der Ruhr, war ein bedeutender Vertreter des Rheinischen Expressionismus und Mitbegründer der Künstlergruppe „Das Junge Rheinland“. Seine Werke verbanden expressive Farbigkeit mit intellektuellem Tiefgang. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er als „entartet“ diffamiert und ins Exil gezwungen – erst in die Niederlande, dann in die USA und schließlich nach Brasilien.

Dort entstand sein zentrales Spätwerk Die geistige Emigration, ein monumentales Triptychon über den Verlust kultureller Heimat. Heute befindet sich dieses eindrucksvolle Werk im Städtischen Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr in der Alten Post und erinnert an das Schicksal einer vertriebenen Künstlergeneration. Kaufmanns Schaffen steht exemplarisch für die Zerrissenheit zwischen Aufbruch und Verfolgung. Das Porträt von Heinrich Thöne schuf er im Jahr 1958. Der Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein KKRR bekam Kenntnis von dem Werk bei einer Bewertung eines Sammler-Nachlasses.