Der Herr der Giganten und Zwerge: Ron Mueck in Buenos Aires

Von Susanne Franz

Die spannendste Ausstellung in Buenos Aires ist zur Zeit die Schau der hyperrealistischen Skulpturen des Künstlers Ron Mueck in der Fundación Proa. Es ist die erste Exposition des Australiers in Lateinamerika. Am 30. Januar meldete die Kunstgalerie im Stadtteil La Boca, die in nächster Nähe des Touristenmagneten „Caminito“ liegt, den 100.000. Besucher der Schau, die am 16. November 2013 eröffnet wurde. Damit wird die Ausstellung, die noch bis zum 23. Februar 2014 läuft, sicher eine der am besten besuchten in der Geschichte der argentinischen Hauptstadt werden, auch wenn sie vielleicht nicht an die 196.000 Besucher herankommt, die die Ausstellung der Japanerin Yayoi Kusama letztes Jahr im Malba zu verzeichnen hatte.

Schon jetzt ist es für den eher kleinen Kunsttempel Proa schwierig, die Massen unter Kontrolle zu halten; besonders an den Wochenenden bilden sich lange Schlangen auf der Explanade vor der Galerie. Drinnen herrscht dann großes Gedränge rund um die wenigen Skulpturen des Meisters Mueck, und im Auditorium, wo ein Dokumentarfilm über die Arbeitsweise des Künstlers gezeigt wird, findet man kaum ein Plätzchen und es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, was nicht gerade zum Genuss beiträgt, diesen hochinteressanten Film zu sehen, in dem kaum ein Wort gesprochen wird.

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Ausschnitt aus dem Film „Still Life: Ron Mueck at work“: Der Künstler beim ersten Schritt zur Skulptur „Young couple“ – er formt die Figuren aus Ton.

Es empfiehlt sich, bevor man den Film anschaut, zuerst einmal durch die Ausstellung zu gehen. Wenn man hereinkommt und das alte Paar am Strand unter dem Sonnenschirm sieht, beide im Riesenformat, erinnert man sich urplötzlich, wie man sich als kleines Kind in der Gegenwart riesiger Erwachsener fühlte. Auch wenn dieser Effekt nur eine Sekunde anhält, ist es doch eine starke Bewusstseinsverschiebung, die man in gewisser Weise auch bei den anderen Menschenskulpturen Muecks – im Mini- oder „mittleren“ Format – empfindet, oder angesichts eines überdimensionalen, an den Beinen von der Decke hängenden Hahn-Kadavers, oder beim Betrachten einer blau gestrichenen Wand, an der eine Luftmatratze hängt, auf der ein kleiner Mann in Badehose und mit Sonnenbrille liegt. Schaut man aus einer bestimmten Entfernung auf diese Wand, hat man das Gefühl, in der Luft zu schweben und den Mann von oben zu betrachten, während man gleichzeitig die Füße auf dem Boden spürt.

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Klein, aber perfekt: Die Mini-Skulptur „Young couple“. Das Mädchen und die Frau der Skulptur „Woman with shopping“ sind die einzigen mit echten Haaren, bei den anderen Skulpturen wurde feiner Draht verwendet

 

Das ist nur ein Beispiel dafür, dass bei Ron Mueck jeder Millimeter stimmt, wenn es um die ins Riesenformat oder ins Kleinformat übersetzten Dimensionen seiner Skulpturen geht, deshalb fühlt man sich durch seine Kunst auch nicht getäuscht, sondern eher überrascht, und man ist geneigt, seine eigene Sicherheit über den jedem „zustehenden“ Platz in Raum und Zeit zu überdenken.

Der Film im Auditorium der Fundación Proa stammt aus dem Jahr 2013 und zeigt den Entstehensprozess einiger der Figuren in der Ausstellung – deshalb ist es interessant, auch nachher, mit dem neuen „Wissen“, noch einmal kurz durch die Ausstellungsräume zu gehen. Der Film ist in vielfacher Hinsicht faszinierend, nicht nur, weil man diesem wortkargen, konzentrierten, obsessiven Künstler und seinen Assistenten bei der Arbeit zusehen kann, sondern auch, weil sie in der relativ kleinen Werkstatt von äußerst realistisch aussehenden Körperteilen – Mini-Babyköpfen und -händchen, riesigen Oberkörpern etc. – umgeben sind, was dem Ganzen den Anstrich einer Art Horrorkabinett gibt. Erklärende Worte würden da nur stören, deshalb ist der Film von Gautier Deblonde ein kleines Meisterwerk in sich.

Der 1958 als Kind deutscher Einwanderer in Melbourne geborene Künstler Ron Mueck, der seit 1983 in London lebt, sagte 2003 dem „Kunstmagazin“: „Ich wollte etwas machen, dem ein Foto nicht gerecht werden würde. […] Obwohl ich viel Zeit mit der Oberfläche verbringe, ist es doch das Innenleben, das ich einfangen möchte. […] Meine Arbeiten sind mein Statement.“

Die Ausstellung wurde von der Fondation Cartier in Paris organisiert und letztes Jahr auch in der französischen Hauptstadt gezeigt. Kuratiert vom Direktor der Fondation Cartier, Hervé Chandès, sowie Grazia Quaroni, wandert die Schau nach ihrem Stopp in Buenos Aires weiter nach Brasilien ins „Museo de Arte Moderno“ von Rio de Janeiro, wo sie von März bis Juni 2014 zu sehen sein wird.

(Ron Mueck, Skulpturen. Fundación Proa, Pedro de Mendoza 1929, La Boca, Buenos Aires. Geöffnet dienstags bis sonntags 11-19 Uhr, montags geschlossen. Eintritt 15 Pesos, Rentner 10 Pesos, Studenten 5 Pesos; dienstags gratis für Studenten. Bis 23.2.)

Der Film „Still Life: Ron Mueck at work“ von Gautier Deblonde

Der Fotograf und Filmemacher Gautier Deblonde hat über 18 Monate hinweg jeden Tag Ron Mueck bei der Arbeit in seiner Werkstatt gefilmt, während Mueck für die Ausstellung in der Fondation Cartier in Paris die drei Werke „Young couple“, „Couple under umbrella“ und „Woman with shopping“ schuf. Schweigsam arbeitet Mueck mit zwei, manchmal drei Assistenten, mit unendlicher Geduld und Konzentration entwickelt er jedes Stadium bis zur Vollendung seiner Skulpturen. „Es ist eigentlich ein Film über die Zeit“, sagt Deblonde. „Über die Zeit und darüber, wie sehr Ron Mueck in seine Arbeit verwickelt ist.“ Der Film dauert 48 Minuten und wird in Endlosschleife gezeigt.

 

Beitrags-Titelbild: Ron Mueck (ganz links) mit einem Assistenten beim Aufbau von „Couple under umbrella“. Die Skulpturen sind innen hohl und wurden in Einzelteilen nach Buenos Aires transportiert. Beide Bilder lagen der Presseunterlagen zur Veröffentlichung bei.

Fassadenkunstwerk „BLACK WALL HANDELSHOF“ in der Kunststadt Mülheim an der Ruhr

Die Kunststadt Mülheim an der Ruhr ist bekannt für unzählige Werke zum Thema „Kunst im öffentlichen Raum“ – eines fehlt jedoch in der aktuellen Aufstellung: „BLACK WALL HANDELSHOF“ ist der Titel des großen Fassadenbildes an der Friedrichstraße aus dem Jahr 2013, das nur vorrübergehend dort zu sehen ist.

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BLACK WALL Kunst im „Öffentlichen Raum“ in der neu geschaffenen Baulücke in der Friedrichstraße der Kunststadt Mülheim
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Imposanter Kontrast zum historischen Baudenkmal „Handelshof“ in der Kunststadt Mülheim an der Ruhr – das Fassadenkunstwerk „BLACK WALL HANDELSHOF“

Neben dem Baudenkmal Handelshof sind mit „BLACK WALL HANDELSHOF“ haushohe schwarze Flächen angelegt, die – wie durch den Sucher einer Kamera –  einen interessanten Einblick in den dadurch geöffneten Hinterhof zulassen – je nach dem Stand der Sonne ergeben sich interessante Schattenbildungen.

EHEMALS „EVANGELISCHES VEREINSHAUS MÜLHEIM“ soll später als Altenheim dienen

Prachtvolle Stuckfassade vor der Umnutzung des Hauses „Evangelisches Vereinshaus Mülheim an der Ruhr“
--Hotel-Handelshof-Friedrichstrasse1964
Vor dem Entstehen der neuen Baulücke (rechts) sah es so aus (Historische Aufnahme)
Handelshof aus der Luft_Google
Situation von oben: mit Hilfe von Google ist gut die alte Hinterhofsituation zu sehen

Der „Handelshof“ in der Kunststadt Mülheim an der Ruhr ist über 100 Jahre alt. 1904  erbaut als Versammlungsstätte für die Bürger und Vereine z.B. dem späteren CVJM – „Evangelisches Vereinshaus“.

Hier ist die „Mülheimer Lesebühne“ zu Hause , die Anfang 2009 durch Ideen von Anna Ladage, der Autorin Sabine Fenner sowie dem Autoren und Gründer der internationalen Autoren- und Künstler Plattform Manfred Wrobel entstanden ist. Regelmäßig sind Gastautoren zu hören und die Künstler der Plattform stellen ihre Kunstprojekte aus – umrahmt von musikalischen Darbietungen.

Am 01.07.1934 übernahmen Heinrich und Anna Hesse das 1930 zum Hotel umgebaute „evangelische Vereinshaus“ und gründeten das Hotel Handelshof – heute in der 3. Generation in Besitz der Familie Hesse als Tagungs- und Geschäftshotel. Diese plant in der neuen Baulücke ein Erweiterungsgebäude für das Hotel Handelshof – dann wird das „Kunstwerk“ wieder demontiert.

Nebeneffekt des Fassadenkunstwerkes „BLACK WALL HANDELSHOF“ ist ein kleiner Parkplatz für max. 8 PKW, der durch die neugeschaffene Baulücke angesiedelt wurde – mit aufwändiger Toranlage, Schranke, Kameraüberwachung und einem der 54 Kassenautomaten, die von der Kunststadt bewirtschaftet werden. Lt. aktueller Webseite hat die Kunststadt Mülheim nach der Schließung des ehemaligen Kaufhof Parkhauses nunmehr 3.775 Parkplätze, die über ein elektronisches Parkleitsystem optimiert werden.

 

UPDATE 9 / 2025

 

Link: Kunst im öffentlichen Raum der Kunststadt Mülheim an der Ruhr

LINK ZU AKTUELLEN KUNST-VERANSTALTUNGEN IN MÜLHEIM – der Kunst-Kompass für die Kunststadt an der Ruhr

 

UPDATE: ehem. Handelshof HausDerBegegnung September 2025 erste Umbauarbeiten zum_Altersheim (Foto: Ivo Franz)

Mülheimer „Ruhrbania“ auf historischem Boden errichtet

1816 war dort das erste Stammhaus (Bild oben) der Mülheimer Casinogesellschaft mit Ballsaal, Weinkeller und Kegelbahn in freier Natur

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Direkt an Ruhr und „Ruhmbach“ lag das Grundstück, wo heute RUHRBANIA ist

In alten Urkunden hat der Mülheimer Geschichtsforscher Bernd Brinkmann bei seinen Recherchen zu seinem Buch über die Geschichte der Mülheimer Brauereien Urkunden gefunden, die belegen, dass dort, wo heute der „als Baufeld 1“ bezeichnete Neubau Ruhrpromenade Nr.1 entstand, sich das Leben der Mülheimer Bürgerschaft (Gesellschaft Casino e.V. Mülheim von 1816) direkt an der Ruhr und dem Zufluss „Ruhmbach“ (heute Wasserwanderrastplatz/Freizeit-Hafenbecken) abspielte. Auf der Terrasse des Casiono-Gebäudes in der Ruhrstraße Nr. 26 saß man in der Abendsonne und genoss das quirlige Leben in der Kunststadt direkt am Fluß und am alten Hafen. Noch bis 1841 wurde die dortige Kegelbahn durch die Gesellschaft Casino e.V. genutzt, die dann ab 1842 ihr neues Gebäude an der Delle 57 bezog und dieses 99 Jahre lang nutze. Damals betrug die jährliche Erbpacht 17 Reichstaler 3 ¾ Stüber, die an die Broicher Rentei abgeführt wurde.

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Blick auf das ehemalige Grundstück der Casinogesellschaft der Kunststadt Mülheim

Historischer_Boden_an_der_Ruhrstr.26_wo_das_CASINO_stand_Foto_by_Ivo_Franz
Heute ist auf diesem Grundstück ein Teil von RUHRBANIA (hier die Rotunde des Rathauses der Kunststadt Mülheim an der Ruhr)

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Das Bauprojekt wird aktuell mit dem „Ruhrquartier“ als nächstem Bauabschnitt vervollständigt – weitere Bauabschnitte folgen in den nächsten Jahren

Ruhrbania_Baufeld1_erste_Umzugswagen_Foto_by_Ivo_Franz
Die ersten Umzugswagen – ein attraktiver Wohnort – zum Teil mit Ruhrblick

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Baumeister Dahmen errichtete 1842 das 2. Casino an der Delle im Auftrag der Gesellschaft Casino Mülheim an der Ruhr – mit Ballsaal und Weinkeller und großer Terasse zur Ruhrpromenade hin

Bildnachweis: Karte und Auszug aus der Postkarte mit freundlicher Genehmigung vom Autor Bernd Brinkmann, alle Fotos von Ivo Franz

J.H.Block: Von Taipei direkt in die Kunststadt im Ruhrgebiet

Von der Art Taipei (Taiwan) , der ältesten und hochkarätigsten Kunstmesse Asiens direkt in die Kunststadt Mülheim an der Ruhr.

Der Visual Artist J.H.Block wurde auf der 20. Art Taipei 2013 dem asiatischen Kunstpublikum vorgestellt und zeigt seine Werke nun auch in der Galerie an der Ruhr am Ruhrufer der Kunstmetropole Mülheim im Ruhrgebiet.
Seine Erdwächter, Earth-Guardiens, werden international gezeigt: März 2014  in der LDX Gallery, Malta, auf der Art Beijing (China) im April 2014 , bei der Museumsausstellung Mai 2014 auf Sardinien,  Juni 2014 im Düsseldorfer Landtag,  im Juli 2014 mit LDX auf der Art Hampton-New York (USA), im August 2014 LDX Gallery in Berlin, im September 2014 St. Antonio, Sadinien, im Oktober 2014 auf der Art Fair Köln, im November 2014 bei der Museumsausstellung Aachen/Stolberg und  auf der Art San Diego mit LDX (USA).
Seine Werke befinden sich überwiegend in Sammlungen in Deutschland, Sardinien, Argentinien, Mexico, Griechenland , den Niederlanden und in China.

Block arbeitet mit natürlichen Materialien, wie Erden, speziellen „Augensteinen“ und Sanden aus der ganzen Welt.
2014 verarbeitete er in einem großen Werk wenige Tage vor dem Tod von Nelson Mandela Erde aus dem Steinbruch auf Robben Island, in dem Mandela viele Jahre arbeiten mußte.
Dieses Werk wurde erstmalig öffentlich in der Galerie an der Ruhr gezeigt.
Der Aufenthalt von J.H.Block in Asien hat in den aktuellen Werken des Künstlers deutliche Spuren hinterlassen, mit neuen Bildaussagen und dem Farbenspiel der Metropole Taipei.

 

Erdwächter / Earth Guardians von J.H.Block, Visual Artist

Das Atelier Block in der VILLA ARTIS / RuhrGallery im Loft

Museum als Groß-Atelier

25 Meter langes Großgemälde entsteht bis 13. Februar 2014 in der „Straßengalerie“ des Lehmbruck – Museums

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Detailarbeit und Liebe sind gefragt – hier Entfernen des Abdeckbandes (Klebestreifen)

Dr. Söke Dinkla, die Museumsdirektorin des Lehmbruck – Museums Duisburg möchte die Distanz zur Kunst verringern und beherbergt derzeit ein Projekt, das das Ziel verfolgt, unterschiedliche Menschen als Laienkünstler an einem Großgemälde zu beteiligen und dazu das Museum als großes „Offenes Atelier“ zu nutzen. Unter der Leitung der Deckkraft-Künstler Walter Eul und Marc von Criegern treffen sich die bei einem Casting ausgewählten 20 Laien drei mal in der Woche bis zur Vorstellung des fertigen Werks am 13. Februar 2014 mit einer Vernissage in der „plastikBAR“ des Museums in Duisburg. Nach den nunmehr 10 Tagen, die an dem Werk gearbeitet wurde, kann man schon deutliche Konturen erkennen.

LAGEBESPRECHUNG_MUSEUM_ALS_ATELIER_Foto_by_Ivo_Franz
Lagebesprechung

Das jeweilige Tagesergebnis kann sich immer sehen lassen, es wird filmisch festgehalten, da in der nächsten „Session“ bereits wieder Teile des 25 Meter langen Gemäldes übermalt werden.

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Stand der Entstehung am 26. Januar 2014

Kunststadt-MH wird weiter über den Stand berichten.

Bildnachweis: Alle Aufnahmen mit Fotoerlaubnis des Museums von Ivo Franz