
Aus der Bewerbungsmappe von Edith Polland-Dülfer.Foto: Kunstverein KKRRhochgeladen von Alexander Ivo Franz
Edith Polland-Dülfer – Porträt einer reisenden Künstlerin zwischen Mülheim, Meeresbrise und Musiklegenden. Viele Mülheimerinnen und Mülheimer erinnern sich noch an die rauschenden Vernissagen im Riekenhaus und danach am Saarnberg 88 – über 10 volle Gästebücher mit Goldschnitt zeugen davon.
Mit festem Boden unter den Füßen und einem offenen Herzen für die Welt: So lässt sich das Leben der Mülheimer Künstlerin Edith Polland-Dülfer wohl am treffendsten beschreiben. Ihre künstlerische Laufbahn begann bodenständig – als engagierte Kunstlehrerin in ihrer Heimatstadt. Doch bald schon zog es sie hinaus auf die Weltmeere, wo sie sich über viele Jahre hinweg als Entertainerin und Zeichenlehrerin auf Kreuzfahrtschiffen einen ganz eigenen Platz in der Kunstgeschichte sicherte.

Kunst auf hoher See – ein schwimmendes Atelier
Minetti und Levi
Porträt mit Original-Autogrammen Foto: E.O.D., 1985 Kunstverein KKRR hochgeladen von Alexander Ivo Franz
Polland-Dülfer verstand es, ihre Leidenschaft für Porträtkunst mit dem kosmopolitischen Flair der Kreuzfahrtwelt zu verbinden. An Bord der Schiffe wurde sie zur gefragten Künstlerin und charmanten Gastgeberin, die mit sicherem Strich und feinem Gespür für Charakterzüge die großen Persönlichkeiten ihrer Zeit porträtierte. Ihre Methode war ebenso direkt wie wirkungsvoll: Sie zeichnete die Stars, die sie traf – Musiker, Schauspieler, Literaten – und bat sie anschließend um ein Autogramm auf dem Original.

So entstand über die Jahre ein einzigartiges Konvolut von Porträts, das wie ein lebendiges Who’s who der Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts wirkt. Zu den Porträtierten zählen unter anderem Simon & Garfunkel, Jazz-Legende Art Blakey, James Last und seine Band, Gert Fröbe, Bernhard Minetti und zahllose weitere prominente Zeitgenossen. Ihre Werke sind nicht nur künstlerisch bemerkenswert, sondern auch kulturhistorisch von unschätzbarem Wert – jedes Porträt ein Zeugnis einer persönlichen Begegnung, ein Moment eingefangen zwischen Pinselstrich und Signatur.

Porträt mit Original Autogramm Foto: E.P.D. 1987 Kunstverein KKRR hochgeladen von Alexander Ivo Franz
Eine Bewerbung, die Geschichte schrieb
Der Beginn dieser außergewöhnlichen Karriere auf See war ebenso unkonventionell wie Edith Polland-Dülfer selbst. Ihre Bewerbung bei einer Reederei bestand aus einer farbenfrohen, liebevoll gestalteten Mappe, die nicht nur ihre künstlerischen Fähigkeiten, sondern auch ihren Humor und ihre Lebensfreude widerspiegelte. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Sie wurde umgehend engagiert – der Auftakt zu einer jahrzehntelangen Reise durch die Weltmeere und durch die Welt der Kunst.

Ein Schatz im Depot – Der Mülheimer Kunstverein als Hüterin des Erbes
Heute befindet sich das umfangreiche Œuvre der Künstlerin im Besitz des Mülheimer Kunstvereins KKRR, der den Nachlass mit großer Sorgfalt bewahrt. In unregelmäßigen Abständen werden ausgewählte Werke unter dem Titel „Raritäten“ der Öffentlichkeit im privaten Kunstmuseum Mülheim – MMKM Museum Moderene Kunst Mülheim – präsentiert – stets begleitet von Anekdoten, die das Leben und Wirken dieser außergewöhnlichen Frau lebendig werden lassen.

Porträt Tuschezeichung
Sammlung Mülheimer Kunstverein KKRR Foto: E.P.D. Kunstverein KKRR hochgeladen von Alexander Ivo Franz
Die Ausstellungen zeigen nicht nur die künstlerische Bandbreite Polland-Dülfers, sondern auch ihre Fähigkeit, Menschen in ihrer Essenz zu erfassen – ob weltberühmter Musiker oder unbekannter Passagier. Ihre Porträts sind keine bloßen Abbilder, sondern intime Begegnungen auf Papier.
Ein Leben zwischen Hafen und Horizont
Edith Polland-Dülfer bleibt eine Mülheimer Künstlerin mit Weltblick – verwurzelt in ihrer Heimat, aber stets offen für das Neue, das Andere, das Menschliche. Ihre Kunst ist ein Fenster in eine Zeit, in der Begegnungen noch analog, Porträts noch handgezeichnet und Autogramme ein Zeichen echter Nähe waren.
Der Mülheimer Kunstverein KKRR lädt dazu ein, dieses faszinierende Kapitel lokaler Kunstgeschichte immer wieder neu zu entdecken – mit einem Lächeln, einem Staunen und dem leisen Rauschen der Wellen im Ohr.
WEITERE AKTUELLE KUNSTAUSSTELLUNG DES MÜLHEIMER KUNSTVEREINS KKRR hier ist der Link:






