Textilkünstler Malte Gemlau in seinem Mülheimer Atelier in der Villa Artis, Ruhrstr. 3 / Ecke Delle

Erster „Künstlerinnenpreis des Mülheimer Kunstvereins“ ausgelobt

Gisoo Kim ist Preisträgerin

Der Mülheimer Kunstverein e.V., der seit seiner Gründung im Jahr 1956 eng an das Städtische Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr angegliedert ist und sich seit Jahrzehnten für die Förderung zeitgenössischer Kunst in der Region engagiert, verleiht im Jahr 2026 zum ersten Mal den mit 3.500 Euro dotierten „Künstlerinnenpreis des Mülheimer Kunstvereins“. Die Auszeichnung richtet sich gezielt an Bildende Künstlerinnen im Ruhrgebiet, die sich in der Mitte ihrer künstlerischen Laufbahn befinden und bei vielen Ausschreibungen aufgrund von Altersbeschränkungen nicht (mehr) berücksichtigt werden. Der Award wird künftig alle zwei Jahre im Wechsel mit dem „Preis des Mülheimer Kunstvereins“, der im Rahmen der Biennale MÜLHEIM CALLING vergeben wird, ausgelobt werden.

Insgesamt gingen 46 Bewerbungen für den Preis ein. Die fünfköpfige Jury, bestehend aus Karin Dörre (Vorsitzende AG Mülheimer Künstlerinnen und Künstler e.V.), Prof. Hendrik Dorgathen, Prof. Heiner Schmitz, Dr. Christine Vogt (Direktorin LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen) und Tania Terium (Vorsitzende Mülheimer Kunstverein e.V.), hat nach intensiver Beratung Gisoo Kim zur Preisträgerin gewählt.

Die 54-jährige gebürtige Koreanerin hat in Seoul, Hamburg sowie an der Kunstakademie Düsseldorf studiert und lebt seit 13 Jahren in Essen. Ihre Werke wurden bereits national und international ausgestellt. Mit ihrer Bewerbung überzeugte sie die Jury durch ihr herausragendes künstlerisches Schaffen und ihre kontinuierliche Entwicklung als Künstlerin.

(Als Fotografin gelistet via Kenn-Nummer Wikidata Q122936211)

Gisoo Kim arbeitet an der Schnittstelle von Fotografie, Textilkunst und konzeptueller Bildforschung. Charakteristisch für ihr Werk ist die Technik, Fotografien nicht digital zu montieren, sondern physisch zu vernähen. Die Nähte fungieren als zeichnerische Linien, die Bildräume öffnen, Brüche markieren und Erinnerungsfragmente miteinander verweben. In dieser sensiblen, textilbasierten Bearbeitung von Bildoberflächen zeigen sich interessante Parallelen zum Mülheimer Jungkünstler Malte Gemlau, der in seinem Werk ebenfalls einen deutlichen Schwerpunkt auf textile Strukturen, Gewebe und stoffliche Oberflächen legt. Während Gemlau textile Materialien als Ausgangspunkt für malerische und objekthafte Transformationen nutzt, erweitert Kim das fotografische Bild durch Nählinien als visuelle und konzeptuelle Eingriffe. Beide Positionen verbindet ein tiefes Interesse an der Materialität des Bildes und an der Frage, wie textile Verfahren Prozesse von Erinnerung, Fragmentierung und Rekonstruktion sichtbar machen können.

Auch der freie Mülheimer Künstler*innenbund MKB gratuliert Gisoo Kim herzlich und freut sich, mit der Künstlerin und auf einen Erfahrungsaustausch.

Zentrale Werkgruppen

  • Objects (ca. 2015 – 2018): In dieser Phase schuf Kim dreidimensionale Objekte wie Kleider, Schürzen oder Gefäße aus zusammengefügten Fotografien. Diese Arbeiten thematisieren Identität, Natur und das menschliche Zusammenleben, wobei die Fotos manuell zu tragbar erscheinenden Skulpturen vernäht wurden.
  • Dreaming (ca. 2012 – 2019): Diese Werkgruppe umfasst Foto-Collagen, die durch Stickereien ergänzt werden, um surreale, traumähnliche Realitäten zu erschaffen. Verschiedene Orte und Situationen werden hierbei so verknüpft, dass sie wie Fragmente einer Erinnerung wirken.
  • Lines and Spaces / Lines and Dots: Eine fortlaufende Serie, in der die Künstlerin die Fotografie als Material nutzt, um mit Nadel und Faden grafische Strukturen zu „zeichnen“. Der Faden dient hier nicht nur als Verbindungselement zwischen Bildteilen, sondern als eigenständiges zeichnerisches Element im Raum.
  • Hidden Landscape: Diese Arbeiten konzentrieren sich auf die Dekonstruktion und Neuzusammensetzung von Landschaftsaufnahmen. Durch das Zusammennähen unterschiedlicher Perspektiven entstehen neue, oft rätselhafte Landschaften, die erst bei nahem Betrachten ihre komplexe Struktur offenbaren.
  • Call and Response (2025): Eine aktuelle Installation, die aus schwebenden „Gefäßen“ besteht, welche aus fotografischen Fragmenten menschlicher Figuren geformt und durch feine Fäden miteinander verbunden sind.
  • Künstlerische Technik

Alle Werkgruppen eint ihre charakteristische Technik: Anstatt digitale Bearbeitung oder Klebstoff zu nutzen, verbindet sie ihre Bildfragmente händisch mit Garn. Die Einstiche der Nadel werden dabei bewusst als Spuren der künstlerischen Intervention sichtbar gelassen. 

Die offizielle Preisverleihung erfolgt im Rahmen der Vernissage einer Einzelausstellung der Künstlerin in dem Ladenlokal der Galerie Gerold d’Hamé in der Mülheimer Fußgängerzone im Herbst 2026. Der genaue Termin folgt noch.

Blick in das Ladenlokal in der Schloss-Straße Nr. 29 (Foto: Dr. Friedrich Stavenhagen)
Blick in das Ladenlokal in der Schloss-Straße Nr. 29 beim Aufbau einer Schau (Foto: Dr. Friedrich Stavenhagen)

Titelfoto: Malte Gemlau mit Besuchern in seinem Mülheimer Atelier „Wassily Kandinsky“ in der Villa Artis am Innenstadtpark Ruhranlage (Ruhrstr. 3 / Ecke Delle)

#TECHNIKUMMÜLHEIMRUHRSTRASSE3

 „Das TECHNIKUM MÜLHEIM findet man jetzt exklusiv am neuen Standort in der Villa Artis, Ruhrstraße 3, 45468 Mülheim an der Ruhr (ehemals Wissollstraße).“
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 „Das TECHNIKUM MÜLHEIM findet man jetzt exklusiv am neuen Standort in der Villa Artis, Ruhrstraße 3, 45468 Mülheim an der Ruhr (ehemals Wissollstraße).“ 

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KuMuMü = Kulturmuseum Mülheim GadR = Galerie an der Ruhr ALIV = Alexander Ivo MMKM = Museum Moderne Kunst Mülheim KKRR = Kunstverein und Kunstförderverein Rhein-Ruhr MKB = Mülheimer Künstler*innenbund