
HAUS DER STROMWIRTSCHAFT – Ein Mülheimer Original sucht einen neuen Eigentümer
Mitten in Mülheim, dort wo die Delle sanft zur Ruhr hin abfällt und die Stadt sich seit jeher zwischen Wasser, Wirtschaft und Wandel neu erfindet, steht ein Gebäude, das viele täglich sehen – und doch kaum jemand wirklich kennt. Das Haus der Stromwirtschaft, 1955/56 errichtet, gehört zu den stillen Ikonen der Mülheimer Nachkriegsmoderne. Nun soll es einen neuen Eigentümer finden.

Ein Bau, der die 1950er Jahre atmet
Wer an der Delle in der Ruhrtalstadt Mülheim entlanggeht, spürt sofort die besondere Präsenz des Gebäudes. Die geschwungene Südfassade folgt elegant der Straßenlinie, als würde sie selbst in Bewegung geraten. Große, hochrechteckige Fenster rhythmisieren die Front, Natursteinpfeiler fassen sie ein, filigrane Geländer verleihen Leichtigkeit. Es ist ein Bau, der nicht laut sein muss, um Eindruck zu machen.

Typisch für die Architektur der 1950er Jahre ist die Kombination aus Klarheit und Schwung:
ein Flachdach, das auf schlanken Stützen ruht,
ein zurückgesetztes Staffelgeschoss,
eine markante Kragplatte, die das Dachgeschoss optisch absetzt,
und ein asymmetrisch gesetzter Haupteingang mit weit vorkragender Überdachung.
Alles wirkt bewusst komponiert – und doch unangestrengt.
Ein offenes Treppenhaus als Herzstück


Ursprünglich wurde das Gebäude für einen einzigen Nutzer geplant: die Gesellschaft für Stromwirtschaft, die hier ihren Stammsitz hatte. Deshalb erhielt der Bau ein offenes, großzügiges Treppenhaus, das nicht nur der Erschließung diente, sondern auch als kommunikatives Zentrum gedacht war. Es war ein Ausdruck des damaligen Zeitgeistes: Transparenz, Bewegung, kurze Wege – ein modernes Arbeitsumfeld für ein modernes Unternehmen.

Heute nutzen verschiedene Mieter (z.B. Glück-Auf-SUP) die fünf Geschosse, doch das denkmalgeschützte Treppenhaus ist geblieben. Es erzählt noch immer von der Idee eines Hauses, das Offenheit und Austausch fördern sollte.
Historische Übersicht: Die Ruhrstr. 1 wurde in Delle 50-52 umbenannt, da von dort der neue Hauseingang angeordnet wurde Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv hochgeladen von Alexander Ivo FranzEin Denkmal, das Stadtgeschichte erzählt
Das Haus der Stromwirtschaft ist nicht einfach ein Bürogebäude. Es ist ein Stück Mülheimer Identität. Es dokumentiert:
den wirtschaftlichen Aufbruch der Stadt nach dem Krieg,
die architektonischen Leitbilder der jungen Bundesrepublik,
und die städtebauliche Entwicklung zwischen Ruhrstraße, Delle und Ruhrufer.
Die vorgelagerte Grünfläche mit ihrer Bruchsteinmauer gehört bewusst zum Denkmal. Sie schafft Abstand, Inszenierung, Würde – und macht die geschwungene Fassade erst richtig lesbar.

Ein Bauwerk mit Haltung
In einer Zeit, in der viele Gebäude der 1950er Jahre verschwunden oder stark verändert sind, steht das Haus der Stromwirtschaft fast unverändert da. Es ist ein seltenes Beispiel dafür, wie viel architektonische Qualität in der Nachkriegsmoderne steckt – und wie sorgfältig damals gebaut wurde. Was wenige wissen, unter dem für den Neubau abgerissenen Haus „Ruhrstraße 1“ befand sich ein großer Luftschutzkeller.
Es ist ein Haus, das nicht nur Räume bietet, sondern eine Haltung:
Schlicht, klar, modern – und zugleich warm, menschlich und städtebaulich sensibel.

Ein neues Kapitel
Mit dem geplanten Eigentümerwechsel beginnt nun ein neues Kapitel. Wer dieses Gebäude übernimmt, erwirbt nicht nur Quadratmeter, sondern ein Stück Mülheimer Stadtgeschichte – ein Denkmal, das die 1950er Jahre in ihrer besten Form verkörpert und bis heute seine Wirkung nicht verloren hat.







