Ein Mülheimer Original sucht einen neuen Besitzer HAUS DER STROMWIRTSCHAFT wird erneut verkauft

Imposantes Erscheinungsbild: Haus der Stromwirtschaft Ecke Delle / Ruhrstraße am Innenstadtpark "Ruhranlage" | Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv
Imposantes Erscheinungsbild: Haus der Stromwirtschaft Ecke Delle / Ruhrstraße am Innenstadtpark „Ruhranlage“Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archivhochgeladen von Alexander Ivo Franz

HAUS DER STROMWIRTSCHAFT – Ein Mülheimer Original sucht einen neuen Eigentümer

Mitten in Mülheim, dort wo die Delle sanft zur Ruhr hin abfällt und die Stadt sich seit jeher zwischen Wasser, Wirtschaft und Wandel neu erfindet, steht ein Gebäude, das viele täglich sehen – und doch kaum jemand wirklich kennt. Das Haus der Stromwirtschaft, 1955/56 errichtet, gehört zu den stillen Ikonen der Mülheimer Nachkriegsmoderne. Nun soll es einen neuen Eigentümer finden.

Vor dem heutigen HAUS DER STROMWIRTSCHAFT (damals noch Ruhrstraße 1) und dem CASINO war einst das Busterminal der Ruhrtalstadt Mülheim | Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv
Vor dem heutigen HAUS DER STROMWIRTSCHAFT (damals noch Ruhrstraße 1) und dem CASINO war einst das Busterminal der Ruhrtalstadt Mülheim Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv hochgeladen von Alexander Ivo Franz

Ein Bau, der die 1950er Jahre atmet

Wer an der Delle in der Ruhrtalstadt Mülheim entlanggeht, spürt sofort die besondere Präsenz des Gebäudes. Die geschwungene Südfassade folgt elegant der Straßenlinie, als würde sie selbst in Bewegung geraten. Große, hochrechteckige Fenster rhythmisieren die Front, Natursteinpfeiler fassen sie ein, filigrane Geländer verleihen Leichtigkeit. Es ist ein Bau, der nicht laut sein muss, um Eindruck zu machen.

Ein Meisterstück der Architekten Pfeifer & Großmann, die auch das Mülheimer Rathaus und die Stadthalle entwarfen. | Foto: AIRL-Lab, Andreas Ingramm
Ein Meisterstück der Architekten Pfeifer & Großmann, die auch das Mülheimer Rathaus und die Stadthalle entwarfen. Foto: AIRL-Lab, Andreas Ingramm hochgeladen von Alexander Ivo Franz

Typisch für die Architektur der 1950er Jahre ist die Kombination aus Klarheit und Schwung:

ein Flachdach, das auf schlanken Stützen ruht,

ein zurückgesetztes Staffelgeschoss,

eine markante Kragplatte, die das Dachgeschoss optisch absetzt,

und ein asymmetrisch gesetzter Haupteingang mit weit vorkragender Überdachung.

Alles wirkt bewusst komponiert – und doch unangestrengt.

Ein offenes Treppenhaus als Herzstück

Offenes Treppenhaus, im Bauhaus-Stil gestaltet vom Architekturbüro Pfeifer und Großmann -  Sozietät der Architekten Arthur Pfeifer (1878–1962) und Hans Großmann (1879–1949) - hinten erkennbar der Zugang zur VILLA ARTIS (Ruhrstraße 3) die von hier erschlossen wurde vorn die historische Pförtnerloge. | Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv
Offenes Treppenhaus, im Bauhaus-Stil gestaltet vom Architekturbüro Pfeifer und Großmann – Sozietät der Architekten Arthur Pfeifer (1878–1962) und Hans Großmann (1879–1949) – hinten erkennbar der Zugang zur VILLA ARTIS (Ruhrstraße 3) die von hier erschlossen wurde vorn die historische Pförtnerloge. Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv hochgeladen von Alexander Ivo Franz
Zugang in die Villa Artis - die bis 2011 von der Gesellschaft für Stromwirtschaft (GfSt) als Bürotrakt und Hausmeisterwohnung genutzt wurde. Heute befinden sich hier die Geschäftsstelle des Mülheimer Kunstvereins KKRR und Atelierwohnungen | Foto: Archiv GfSt
Zugang in die Villa Artis – die bis 2011 von der Gesellschaft für Stromwirtschaft (GfSt) als Bürotrakt und Hausmeisterwohnung genutzt wurde. Heute befinden sich hier die Geschäftsstelle des Mülheimer Kunstvereins KKRR und Atelierwohnungen Foto: Archiv GfSt hochgeladen von Alexander Ivo Franz

Ursprünglich wurde das Gebäude für einen einzigen Nutzer geplant: die Gesellschaft für Stromwirtschaft, die hier ihren Stammsitz hatte. Deshalb erhielt der Bau ein offenes, großzügiges Treppenhaus, das nicht nur der Erschließung diente, sondern auch als kommunikatives Zentrum gedacht war. Es war ein Ausdruck des damaligen Zeitgeistes: Transparenz, Bewegung, kurze Wege – ein modernes Arbeitsumfeld für ein modernes Unternehmen.

Giebelseite zur Ruhr (links noch ein stolzer Baum, von dem sich der Vorstand nicht trennen konnte) | Foto: Villa Artis (Archiv)
Giebelseite zur Ruhr (links noch ein stolzer Baum, von dem sich der Vorstand nicht trennen konnte) Foto: Villa Artis (Archiv) hochgeladen von Alexander Ivo Franz

Heute nutzen verschiedene Mieter (z.B. Glück-Auf-SUP) die fünf Geschosse, doch das denkmalgeschützte Treppenhaus ist geblieben. Es erzählt noch immer von der Idee eines Hauses, das Offenheit und Austausch fördern sollte.

Historische Übersicht:  Die Ruhrstr. 1 wurde in Delle 50-52 umbenannt, da von dort der neue Hauseingang angeordnet wurde | Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, ArchivHistorische Übersicht: Die Ruhrstr. 1 wurde in Delle 50-52 umbenannt, da von dort der neue Hauseingang angeordnet wurde Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv hochgeladen von Alexander Ivo FranzEin Denkmal, das Stadtgeschichte erzählt

Das Haus der Stromwirtschaft ist nicht einfach ein Bürogebäude. Es ist ein Stück Mülheimer Identität. Es dokumentiert:

den wirtschaftlichen Aufbruch der Stadt nach dem Krieg,

die architektonischen Leitbilder der jungen Bundesrepublik,

und die städtebauliche Entwicklung zwischen Ruhrstraße, Delle und Ruhrufer.

Die vorgelagerte Grünfläche mit ihrer Bruchsteinmauer gehört bewusst zum Denkmal. Sie schafft Abstand, Inszenierung, Würde – und macht die geschwungene Fassade erst richtig lesbar.

Haus Ruhrstr. 1 (heute HAUS DER STROMWIRTSCHAFT) dahinter der Giebel der Villa Artis, Ruhrstr. 3 (heute durch die Grenzmauer verdeckt) | Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv
Haus Ruhrstr. 1 (heute HAUS DER STROMWIRTSCHAFT) dahinter der Giebel der Villa Artis, Ruhrstr. 3 (heute durch die Grenzmauer verdeckt) Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv hochgeladen von Alexander Ivo Franz

Ein Bauwerk mit Haltung

In einer Zeit, in der viele Gebäude der 1950er Jahre verschwunden oder stark verändert sind, steht das Haus der Stromwirtschaft fast unverändert da. Es ist ein seltenes Beispiel dafür, wie viel architektonische Qualität in der Nachkriegsmoderne steckt – und wie sorgfältig damals gebaut wurde. Was wenige wissen, unter dem für den Neubau abgerissenen Haus „Ruhrstraße 1“ befand sich ein großer Luftschutzkeller.

Es ist ein Haus, das nicht nur Räume bietet, sondern eine Haltung:
Schlicht, klar, modern – und zugleich warm, menschlich und städtebaulich sensibel.

Abriss des Hauses Ruhrstr. 1 für den Neubau HAUS DER STROMWIRTSCHAFT im Jahr 1952/1953 - im Hintergrund sieht man das Stammhaus der Mülheimer CASINO-Gesellschaft (das aktuell von dem Dachverband der ev. Freikirchen übernommen wird) | Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv
Abriss des Hauses Ruhrstr. 1 für den Neubau HAUS DER STROMWIRTSCHAFT im Jahr 1952/1953 – im Hintergrund sieht man das Stammhaus der Mülheimer CASINO-Gesellschaft (das aktuell von dem Dachverband der ev. Freikirchen übernommen wird) Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv hochgeladen von Alexander Ivo Franz

Ein neues Kapitel

Mit dem geplanten Eigentümerwechsel beginnt nun ein neues Kapitel. Wer dieses Gebäude übernimmt, erwirbt nicht nur Quadratmeter, sondern ein Stück Mülheimer Stadtgeschichte – ein Denkmal, das die 1950er Jahre in ihrer besten Form verkörpert und bis heute seine Wirkung nicht verloren hat.

Damals Hochwasser in der  Delle, auch vor kurzem war das Wasser  der nahen Ruhr hier über die Ufer getreten | Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv
Damals Hochwasser in der Delle, auch vor kurzem war das Wasser der nahen Ruhr hier über die Ufer getreten Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv hochgeladen von Alexander Ivo Franz
Imposantes Erscheinungsbild: Haus der Stromwirtschaft Ecke Delle / Ruhrstraße am Innenstadtpark "Ruhranlage" | Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv
Historische Übersicht:  Die Ruhrstr. 1 wurde in Delle 50-52 umbenannt, da von dort der neue Hauseingang angeordnet wurde | Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv
Haus Ruhrstr. 1 (heute HAUS DER STROMWIRTSCHAFT) dahinter der Giebel der Villa Artis, Ruhrstr. 3 (heute durch die Grenzmauer verdeckt) | Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv
Offenes Treppenhaus, im Bauhaus-Stil gestaltet vom Architekturbüro Pfeifer und Großmann -  Sozietät der Architekten Arthur Pfeifer (1878–1962) und Hans Großmann (1879–1949) - hinten erkennbar der Zugang zur VILLA ARTIS (Ruhrstraße 3) die von hier erschlossen wurde vorn die historische Pförtnerloge. | Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv
Abriss des Hauses Ruhrstr. 1 für den Neubau HAUS DER STROMWIRTSCHAFT im Jahr 1952/1953 - im Hintergrund sieht man das Stammhaus der Mülheimer CASINO-Gesellschaft (das aktuell von dem Dachverband der ev. Freikirchen übernommen wird) | Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv
Vor dem heutigen HAUS DER STROMWIRTSCHAFT (damals noch Ruhrstraße 1) und dem CASINO war einst das Busterminal der Ruhrtalstadt Mülheim | Foto: TECHNIKUM MÜLHEIM, Archiv

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