
Berthold Brach gekrönt zum „King of Breakfast“ – Mülheim feiert Budenjubiläum auf der B1
MÜLHEIM AN DER RUHR – Zwischen Selbeck und Saarn, wo die berühmte Caravan-Meile des Ruhrgebiets die B1 säumt, herrschte gestern der Ausnahmezustand: Die Kultbude von Berthold Brach feierte ihr 20. Jubiläum – und ganz Mülheim war dabei. Doch nicht nur das Jubiläum sorgte für Aufsehen: Berthold Brach wurde feierlich zum „King of Breakfast“ gekürt – ein Titel, den ihm seine treue Kundschaft verlieh.
Ein Fest für die Sinne – und für die Seele
Schon früh am Morgen bildeten sich lange Schlangen vor der Bude, die längst mehr ist als nur ein Imbiss. Sie ist Treffpunkt, Kultstätte und kulinarisches Herzstück der Ruhrtalstadt. Mit frisch gebrühtem Kaffee, knusprigen Brötchen und der legendären Currywurst wurde das Jubiläum zelebriert – begleitet von Musik, guter Laune und einem Hauch Lokalpatriotismus.

Fan-Club erschien in voller Montur
Besonders ins Auge fiel der eigens gegründete Fan-Club, der in T-Shirts mit dem Konterfei des frisch gekrönten Frühstückskönigs erschien. Die Shirts zeigten Berthold Brach mit einer Krone aus leckeren Brötchen – gestaltet wie ein Heiligenschein – ein augenzwinkerndes Symbol für seine Rolle als Gastgeber, Gourmet und Lokallegende. Die Stimmung war ausgelassen, die Begeisterung echt: „Berthold ist nicht nur unser Frühstückskönig – er ist das Herz der B1“, sagte ein Stammgast gerührt.
BBB
Bertholds
Breakfast
Bude
ein Ort der Begegnung an der B1 in der Ruhrtalstadt Mülheim Foto: FanClub BBB hochgeladen von Alexander Ivo FranzMedienrummel inklusive
Die Aufmerksamkeit blieb nicht lokal begrenzt: Auch die WAZ war vor Ort und berichtete im Rahmen ihrer verschiedenen Medien über die Bude als Symbol für gelebte Alltagskultur und kulinarische Demokratie. Die B1 in Mülheim wurde damit zur Bühne für ein Stück Ruhrgebietsidentität – bodenständig, herzlich und mit viel Geschmack.
Alle Fans kamen im T-Shirt mit dem Konterfei des neuen KING OF BREAKFAST zum Jubiläumsfrühstück an die B1 Foto: Bernd Kirstein hochgeladen von Alexander Ivo FranzEin König, wie ihn Mülheim liebt
Berthold Brach nahm die Auszeichnung mit Humor und Stolz entgegen. „Ich bin überwältigt. Für mich zählt, dass die Leute gerne kommen, sich wohlfühlen und satt nach Hause gehen – mit einem Lächeln im Gesicht.“ Ein Satz, der zeigt: Der „King of Breakfast“ regiert nicht mit Prunk, sondern mit Brötchen, Bohnenkaffee und einer großen Portion Menschlichkeit.
Musikalische Einlagen und ein gut gelaunter Berthold Brach, der auf 20 Jahre Bude an der B1 zurückblickt Foto: Bernd Kirstein hochgeladen von Alexander Ivo FranzEin Ort, der verbindet
Die Bude an der B1 ist längst mehr als ein kulinarischer Zwischenstopp. Sie ist ein Ort der Begegnung, ein Stück gelebter Ruhrgebietskultur wo einer dem anderen hilft und mancher gute Tipp ausgetauscht wird – und mit Berthold Brach an der Spitze ein Königreich, das jeden Morgen unermüdlich aufs Neue seine Türen öffnet.

Zuletzt im Fernsehen zu sehen
Ein Kamerateam überraschte jüngst die Frühstückenden an der B1 #BertholdsBude – hier ist der Link zur Mediathek (ab ca. 10 Minute Mahlzeit – Wahlzeit)
Positionspapier der freien Kunstszene im Ruhrgebiet
„Die unsichtbaren Räume – Warum die Manifesta 16 das wahre Ruhrgebiet verfehlt“
Präambel
Die freie Kunstszene des Ruhrgebiets begrüßt die Entscheidung, die Manifesta 16 in unsere Region zu holen. Wir erkennen das Potenzial einer internationalen Biennale, neue Perspektiven auf Transformation, Gemeinschaft und urbane Zukunft zu eröffnen. Doch wir sehen zugleich eine gefährliche Verengung des Blicks: Die Manifesta 16 konzentriert sich auf symbolisch aufgeladene Räume – insbesondere leerstehende Nachkriegskirchen – und blendet jene Orte aus, die das Ruhrgebiet tatsächlich geprägt haben und weiterhin prägen.
Wir fordern eine ehrlichere, breitere und sozial verankerte Perspektive.
1. Kirchen sind nur ein Teil der Wahrheit – nicht das ganze Bild
Die Manifesta 16 nutzt Kirchen als Projektionsflächen für Transformation. Doch Kirchen sind im Ruhrgebiet nicht die zentralen Orte des Alltagslebens. Sie sind wichtig, aber sie sind institutionelle Räume, geprägt von Hierarchien, Traditionen und Distanz.
Die wahre urbane Transformation findet woanders statt.
2. Gasthöfe und Kneipen: Die verlorenen Häuser der Demokratie
Ehemalige Gasthöfe sind die sozialen Kathedralen des Ruhrgebiets. Hier wurde gestritten, gefeiert, getrauert, gewählt, verhandelt. Sie waren Orte der Arbeiterbewegung, der Vereinskultur, der Nachbarschaft.
Ihr Verschwinden ist ein kultureller Aderlass, der in der Manifesta Erzählung nicht vorkommt.
Eine Biennale, die Transformation ernst nimmt, muss diese Räume einbeziehen – oder erklären, warum sie es nicht tut.
3. Die Bude: Das kleinste Kulturzentrum – und das wichtigste (wie Bertold Brach zeigt)
Die Trinkhalle ist der wahre Resonanzraum des Ruhrgebiets. Sie ist niedrigschwellig, direkt, ehrlich. Sie ist Ort der Mikro Demokratie, der Alltagskultur, der sozialen Wärme.
Wenn die Manifesta 16 behauptet, „Community“ zu stärken, aber die Buden ignoriert, dann verfehlt sie das Herz der Region.
4. Mülheim an der Ruhr: Engagiert während der Biennale
Mülheim liegt geografisch im Zentrum der Manifesta Region.
Mülheim zeigt im ihrem Projekt der abgerissenen Pauli-Kirche exemplarisch, was passiert, wenn Transformation zu spät kommt.
Mülheim ist der kritische Gegenpol zur kuratierten Erfolgserzählung der Manifesta.
5. Die freie Szene fordert eine ehrliche Auseinandersetzung
Wir erwarten von einer Biennale:
• dass sie die Realität nicht ästhetisiert
• dass sie nicht nur repräsentiert, sondern reflektiert
• dass sie nicht nur Räume bespielt, sondern Räume versteht
• dass sie nicht nur Kirchen zeigt, sondern auch die Orte, die wirklich fehlen
Transformation ist kein kuratorisches Konzept. Transformation ist gelebte Erfahrung.
6. Unsere Forderungen an die Manifesta 16
Wir fordern die Kuratorinnen und Organisatorinnen auf:
1. Die Buden, Gasthöfe und verlorenen Orte des Ruhrgebiets in die Erzählung einzubeziehen.
Nicht als Folklore, sondern als zentrale Räume sozialer Wirklichkeit.
2. Mülheim als kritischen Resonanzraum anzuerkennen.
Die Pauli-Kirche ist ein Schlüsselort – gerade weil sie nicht mehr existiert.
3. Die freie Szene aktiv einzubinden.
Nicht als „Community-Dekoration“, sondern als gleichberechtigte Partnerin.
4. Die Grenzen des eigenen Narrativs offenzulegen.
Eine Biennale, die Transformation thematisiert, muss auch Scheitern thematisieren.
7. Schlusswort: Für ein ehrlicheres Ruhrgebiet
Wir stehen für ein Ruhrgebiet, das sich nicht überhöht, sondern sich selbst ernst nimmt. Ein Ruhrgebiet, das seine Kirchen kennt – aber auch seine Gasthöfe. Ein Ruhrgebiet, das seine Buden liebt – und weiß, was es verliert. Ein Ruhrgebiet, das nicht kuratiert werden will, sondern verstanden.
Die freie Kunstszene ist bereit, diesen Diskurs zu führen. Die Frage ist: Ist die Manifesta 16 es auch?




